Die Faszination alter LKWs

Noch vor einigen Jahren war es für mich faszinierend, immer alles über die neuesten PKWs zu erfahren und war begeistert vom Fortschritt und immer neueren, aerodynamischeren Designs mit Kunststoffverkleideten Karosserien.

Wenn ich heute sehe, dass die immer unübersichtlichere Zahl an neuen Autos mich kalt läßt, habe ich manchmal Angst, dass es daran liegen könnte, dass ich "alt" werde. Der Wandel meines Interesses vom PKW zum LKW läßt sich sicher mit meiner Tätigkeit im Produktbereich Unimog/Sonderfahrzeuge erklären und mit den Interessen der Leute, die ich durch mein Unimog-Interesse gefunden habe. Aber warum die immer älteren Fahrzeuge?

Gut, zum einen weil ich mit diesen Fahrzeugen aufgewachsen bin. Und da die NG/SK und LP damals Alltag waren, habe ich sie als nichts besonderes wahrgenommen. Heute sind sie fast ganz aus unserem Straßenbild verschwunden - und ich vermisse sie, ich suche sie auf den Straßen.

Mercedes O317
Krupp Mustang Mal ganz abgesehen von den LKWs, die schon in meiner Jugend am Aussterben waren. An Krupp, Faun und Kaelble kann ich mich schon nicht mehr erinnern. Henschel war wohl gerade im Übergang und den Büssing-Schriftzug kenne ich nur noch unter den drei Buchstaben "MAN".

Während aber in vielen Bereichen - insbesondere durch (natürlich berechtigte) Verschärfungen der Abgaswerte - die Entwicklungszyklen immer kürzer werden und die Wirtschaftlichkeit immer wichtiger wird, gibt es ein paar fleissige "Verrückte", denen es ähnlich geht wie mir und denen es ein Anliegen ist, auch diese Erinnerungen zu erhalten, solange es den Stoff dafür noch gibt. Beispiele hierfür sind die Nutzfahrzeug Veteranen Gemeinschaft (N-V-G), die Interessengemeinschaft Süddeutsche LKW-Veteranen-Freunde und natürlich die Unimog-Clubs (stellvertretend sei hier der Unimog-Club-Gaggenau erwähnt) die zwischenzeitlich beachtliche Mitgliederzahlen haben.

Die Zeit, in der ein Youngtimer nur viel Geld kostet, man aber mit dem Fahrzeug noch nicht die entsprechende Beachtung und Anerkennung erhält, ist sicherlich die schwierigste. Hier verschwinden sehr viele Fahrzeuge innerhalb kurzer Zeit von unseren Straßen, oft durch viele Hände, in ferne afrikanische, arabische oder asiatische Länder, um auf schlechten Straßen und Pisten ihren letzten Dienst zu tun, bis auch das letzte Originalteil verschlissen ist.

Kaelble KDV22Z8T Und da sind dann oft auch Fahrzeuge dabei, die in ihrer Zeit gerade zu legendär waren, z.B. die damals sehr individuellen NAW Schwerlastzugmaschinen mit über 500PS, Faun Koloss, Gottwald AMK-1000 Kran, NAW 4850, aber auch das Frankfurter Doppel-Kopf GTLF. Wenn schon die Legenden nicht gerettet werden, wie sollen dann die Alltagsfahrzeuge für die Nachwelt erhalten werden. Da haben es die PKWs schon etwas leichter - sofern sie nicht als Familienkutsche oder Arme-Leute-Auto verrufen sind.

Mercedes-Benz NAW 4850
Wo schon früh begonnen wurde alte Fahrzeuge zu erhalten, ist in den Feuerwehren. Bei aktiven Nutzungsdauern jenseits der 25-30 Jahre sind sie ihren Betreuern meist schon so fest ans Herz gewachsen und der zu erwartende Restwert so gering, dass alte Feuerwehrfahrzeuge oft in den Feuerwehrabteilungen erhalten bleiben.

Auch gibt es schon recht lange Feuerwehr-Museen. Der Unimog hat sein Museum im Mai 2006 bekommen und lädt ein, ihn aktiv im Freigelände kennen zu lernen (Unimog-Museum) und auch im neuen Mercedes-Benz Museum haben haben die Nutzfahrzeuge ihren festen Platz gefunden. Aber nicht nur für Automobilhersteller wird es immer wichtiger, auf die Produkte und Eigenschaften der "Guten alten Zeit" zu verweisen, auch für Automobil-Nutzer wie Speditionen wird es immer wichtiger, mit Oldtimern auf die eigene Historie als Qualitätsprädikat hinzuweisen.

Der Erhalt historischer Fahrzeuge wird immer schwieriger, aber glücklicherweise finden sich auch immer mehr Interessierte, die erkannt haben, dass der Aufbau und die Pflege einer Oldtimersammlung bei Zeiten begonnen werden muss, bevor das letzte Fahrzeug ganz verschwunden ist. Bedeutende Fahrzeuge wie Prototypen, Jubiläumsfahrzeuge, etc. wandern heute oft schon direkt in behütende Hände.

Mercedes-Benz LP333
Büssing Wenn Sie gerne regelmäßig etwas über alte Nutzfahrzeuge erfahren, so sei noch auf ein sehr schön gestaltetes Magazin, den "Historischer Kraftverkehr" vom Verlag Klaus Rabe hingewiesen, das entweder Online, als auch in vielen Bahnhofsbuchhandlungen zu finden ist. Außerdem haben viele Buchverlage wie Heel, Podszun und Motor-Buch-Verlag den wachsenden Markt erkannt und bieten tolle Bücher zu mehr oder weniger erschwinglichen Preisen. Der Trend geht hier aber eindeutig zur Spezialisierung von einzelnen historischen Fahrzeugmarken über einzelne Typen bis hin zu speziellen Anwenderbüchern, also zu mehr Informationstiefe, weg von der oberflächlichen, oft auch unsystematischen Informationsbreite.

Erfreuen Sie sich nun an der Vielzahl der erhaltenen und restaurierten Oldtimer auf den folgenden Bilder-Seiten. Die Bilder hierzu entstanden in den Auto- & Technik-Museen Sinsheim-Speyer, als auch auf verschiedenen LKW-, Unimog- und Oldtimer-Treffen.



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